Ernährung bei Demenz

Ernährung bei Demenz – ein Leitfaden für Pflegekräfte

Demenz ist bekannterweise ein Oberbegriff für unterschiedliche Krankheitsbilder, welche ausschließlich das Gehirn betreffen. Sie äußern sich durch Störungen der kognitiven und körperlichen Fähigkeiten, sowie Veränderungen im Verhalten der Betroffenen. Der Verlauf der Krankheit und die Ausprägung können dabei sehr unterschiedlich sein. So verhält es sich auch mit der Ernährung bei Demenz.

Zudem steigt das Risiko einer Mangelernährung, weshalb der Schwerpunkt der Ernährung auf einer ausreichenden Energie- und Flüssigkeitsversorgung liegen sollte.

Dies ist in erster Linie mit einer abwechslungsreichen Lebensmittelauswahl möglich. Die gezielte Auswahl der Lebensmittel, abgestimmt auf die persönlichen Wünsche des Betroffenen, steigern ebenfalls die Akzeptanz.

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Menschen mit Demenz benötigen grundsätzlich keine krankheitsspezifische Ernährungsform. Eine ausgewogene Ernährung, angelehnt an den DGE-Qualitätsstandard, ist in der Regel ausreichend. Weitere Erkrankungen des Betroffenen, die eine spezifische Ernährung beziehungsweise Diätmaßnahmen erfordern, sollten jedoch unbedingt beachtet werden!


Ernährungsprobleme von Betroffenen mit Demenz

Mangelernährung ist ein häufiges Problem von Demenzkranken.

Treten im weiteren Krankheitsverlauf stärkere Einschränkungen der körperlichen und kognitiven Fähigkeiten auf, sollten weitere Maßnahmen zur Optimierung der Verpflegung ergriffen werden. Maßgebend sind hierfür die genauen Veränderungen des individuellen Ess- und Trinkverhaltens: 

Eingeschränkte Gedächtnisleistung

  • Verlust des Kurzzeitgedächtnis
  • Verlust des Zeitgefühls
  • Art/ Menge von Mahlzeiten oder Lebensmitteln werden nicht mehr erkannt
  • im schlimmsten Fall vergisst der Betroffene komplett zu essen oder zu trinken

Veränderung des Hunger- und Sättigungsgefühl

  • Betroffene haben ständig Hunger
  • Betroffene haben weniger Hunger
  • Veränderungen in der Geschmacks-/ Farbwahrnehmung (bestimmte Lebensmittel sind plötzlich ungenießbar)
  • Steigerung des süßen Geschmacksinns
  • Ablehnung von herzhaften Speisen und Getränken

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Dement, aber nicht bescheuert: Für einen neuen Umgang mit Demenzkranken
  • Michael Schmieder, Uschi Entenmann
  • Herausgeber: Ullstein Taschenbuch
  • Auflage Nr. 3 (23.10.2015)

Verlust von Alltagsfähigkeiten/ Veränderung der Sozialfähigkeit

  • Verlust von Tischsitten oder Umgang mit Besteck
  • Kommunikation am Tisch geht verloren
  • Entwicklung von Wahnvorstellungen oder Ängsten, welche die Nahrungsaufnahme beeinträchtigen

Gesteigerter Bewegungsdrang/ Unruhe

  • dauerhaft unruhige Bewegungen bei Bettlägerigen
  • Entwicklung von Lauftendenz bei körperlich nicht eingeschränkten Patienten
  • Steigerung des Energiebedarfs von bis zu 2000 kcal pro Tag

Entwicklung von Kau- und Schluckbeschwerden

  • treten meist erst im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf auf, zusammen mit Appetitlosigkeit
  • das Risiko einer Mangelernährung steigt enorm

Ernährung bei Demenz kreative Ansätze

Ernährung bei Demenz – konkrete Ansätze und Problemlösung

Im Falle einer Mangelernährung sollte eine Anreicherung der Speisen und Getränke in Betracht gezogen werden. Dabei kommt es weniger auf die erhöhte Zufuhr von Kalorien an, sondern viel mehr um die ausreichende Versorgung mit Eiweiß. Nur so kann ein Muskelabbau beim Betroffenen verhindert werden. Möglichkeiten sind hier die Aufnahme von eiweißreichen Lebensmitteln oder proteinhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln.

Es ist besonders wichtig auf die persönlichen Vorlieben der Betroffenen einzugehen. Gibt es Lieblingsspeisen oder werden süße Lebensmittel bevorzugt? Pflege- und Betreuungskräfte sollten den Patienten genau beobachten und konkrete Wünsche vermerken beziehungsweise an das Verpflegungspersonal weiterleiten. Um eine einseitige Ernährung zu vermeiden, können abgelehnte (herzhafte) Speisen zum Beispiel auch mit Zucker bestreut werden. Die könnte eine Akzeptanz der Speise beim Patienten ermöglichen und liefert gleichzeitig zusätzliche Energie. Dies gilt auch für Getränke. 

Essen als basale Stimulation: Fingerfood, Eat by Walking etc. (Altenpflege)
  • Markus Biedermann
  • Herausgeber: Vincentz Network
  • Auflage Nr. 3 (17.03.2011)

Der Verlust von Alltagsfähigkeiten ist bei Demenz keine Schande. Betroffene sollten in dem Nutzen von verbliebenen Fähigkeiten bestärkt werden. Selbst zubereitete oder eingekaufte Lebensmittel werden von Betroffenen eher akzeptiert. Ein „Marktstand“ auf Station könnte zum Beispiel das Einkaufen von Lebensmitteln ermöglichen. Zudem könnten Patienten zusammen mit Betreuungskräften einen Kuchen backen, Salat zubereiten oder Obst schneiden. Demenzkranke sollten so oft wie möglich in hauswirtschaftliche Tätigkeiten einbezogen werden. Tischsitten und der richtige Umgang mit Besteck sollten niemals erzwungen werden. Wenn der Betroffene lieber im Stehen essen möchte oder mit den Fingern, dann darf er dies tun! Die Nahrungsaufnahme steht in diesem Fall an erster Stelle, egal auf welchem Wege! Dennoch können Ess- und Trinkhilfen in einigen Fällen Abhilfe schaffen. Auch das Essen reichen ist möglich, wenn der Betroffene die Nahrung überhaupt nicht mehr selber zu sich nimmt. 

Weitere Ansätze zur Ernährung bei Demenz

Sogenannte „Läufer“ haben einen erhöhten Energiebedarf, benötigen deshalb auch mehr Nahrung. Leider setzen sich die Betroffenen ungern lange hin, die ausreichende Versorgung mit Nährstoffen ist über feste Mahlzeiten oft nicht möglich. Daher sollten für diese Patienten immer kleine Snacks oder Finger-Food bereitgehalten werden, die während dem Laufen verzehrt werden können. Das können zum Beispiel Salzstangen, Gemüse-Sticks, Obststücke, Süßigkeiten oder Energieriegel sein. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Gleiches gilt für Getränke: Trinkpäckchen mit Strohhalm bieten hier die beste Möglichkeit. 

Kommt es beim Patienten zu Kau- und Schluckbeschwerden, ist besondere Vorsicht bei der Nahrungs- und Getränkeaufnahme gefordert. Bestehen Probleme beim Kauen, kann das zerkleinern, zerdrücken und pürieren von Lebensmitteln oft schon Abhilfe schaffen. Handelt es sich jedoch um eine Schluckstörung, sind besondere küchentechnische Maßnahmen erforderlich. Da bei der Nahrungsaufnahme ein hohes Aspirationsrisiko besteht, sollten die Speisen und Getränke eine sämige Konsistenz erhalten. Selbst kleinste Faserrückstünde sind für die Patienten gefährlich.

Während Getränke mit speziellen Mitteln angedickt werden können, müssen Lebensmittel mit einem leistungsstarken Pürierstab oder einem Mixer sehr fein passiert und anschließend durch ein Passiersieb gestrichen werden. Um die Akzeptanz der passierten Speisen zu erhöhen besteht die Möglichkeit, die Komponenten wieder in Form zu bringen. Hier bietet sich das sogenannte „Smooth Food“ an. Hier werden Lebensmittel nicht nur in Form gebracht. Die Herstellung verschiedener Schäume, die komplette Mahlzeiten beinhalten ist ebenfalls möglich. Ziel ist in diesem Fall die ausreichende Versorgung Betroffener mit Nährstoffen.

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Letzte Aktualisierung am 10.12.2018 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API